Predigt S.E. Erzbischof Guido Pozzo

Romwallfahrt Summorum Pontificum 2015
Fest des hl. Antonius Maria Claret, Bischof
Kirche Santa Maria in Campitelli, 23. Oktober 2015

sermonpozzoAuch dieses Jahr sind Sie nach Rom zur Wallfahrt an die Gräber der heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus gekommen, um als Pilger den äußeren Weg zu beschreiten, durch den Frömmigkeit und Verehrung sichtbar werden, der aber immer und vor allem ein innerer Weg des Glaubens, des Suchens und des sich Vertiefens in der Begegnung mit dem lebendigen Gott ist.

Die Zeiten, in denen wir leben, sind schwierig, aber wir dürfen nicht verzagen und dürfen nicht in Resignation und Pessimismus verfallen. Wir dürfen nicht vergessen, daß es in unserem kulturellen Umfeld viele Menschen gibt, die, obwohl sie das Geschenk des Glaubens nicht kennen, ernsthaft auf der Suche nach dem wahren Sinn des Lebens sind und diese Suche eine echte „Präambel” des Glaubens ist, weil sie die Menschen auf den Weg lenkt, der zum Geheimnis Gottes führt.

Diese geistlich Suchenden tun sich aber schwer, den wahren Gott und die wahre Kirche zu finden, wenn wir keine glaubwürdigen Zeugen sind. Was die Welt heute besonders braucht, ist das glaubwürdige Zeugnis der Christen, die fähig sind, ihr Herz und ihren Geist dem Verlangen nach Gott und dem wahren Leben, das kein Ende kennt, zu öffnen.

Die christliche Mission vermittelt nicht nur eine Botschaft, sondern sie hilft auch den Menschen Christus kennenzulernen und seine Liebe und seine Barmherzigkeit aufs innigste zu erfahren. Die Aufforderung hinauszugehen, um zu missionieren, ist ein kleines Kompendium des Christseins. Ihre Wallfahrt nach Rom ist ein deutliches Zeichen, daß Sie hinausgehen wollen, um die Freude, Gott kennengelernt zu haben, den Menschen, die ihn noch nicht kennen oder ihn vergessen haben, mitzuteilen. Möge Ihre Wallfahrt Sie die Gemeinschaft von missionarischen Jüngern spüren lassen.

Das Evangelium spricht von einem Samen, der, einmal gesät, von selbst wächst, auch wenn der Sämann schäft (Mk 4,26-29). Die Vertrautheit der Kirche mit Jesus ist eine wandernde Vertrautheit, und auf dieser Wallfahrt ist die Kirche eine missionarische Gemeinschaft, wie uns Papst Franziskus ins Gedächtnis ruft.

Aber an diesem Punkt kommt eine Frage auf: Was könnten wir den anderen geben, wenn wir es nicht zuerst in uns selbst erprobt hätten. Wie könnten wir anderen helfen, Christus kennenzulernen und den lebendigen Gott, wenn wir ihn nicht bereits kennengelernt hätten, ihn nicht schon kennen würden und nicht schon das Geheimnis Gottes in unserem Leben betrachtet hätten.

Und wo können wir auf bevorzugte und sichere Weise die Begegnung mit dem Geheimnis Gottes erleben, betrachten und verinnerlichen?

Die Größe der Liturgie besteht nicht darin, eine erbauliche geistliche Unterhaltung zu bieten, sondern darin, sich von dem Geheimnis Gottes berühren zu lassen, das uns erfaßt, denn sonst wären wir mit unseren Kräften nicht in der Lage von ihm erfaßt zu werden.

Die Feier der Heiligen Messe im alten römischen Ritus hebt unentbehrliche Bestandteile und Gesichtspunkte hervor, die uns die Heiligkeit des Ritus wahrnehmen lassen, die Gegenwart Christi, den heiligen Charakter der Messe, die eben das Opfer Christi ist. Dies alles hilft und dient dem Aufbau des Leibes Christi, welcher die Kirche ist.

Die alte Liturgie ist kein Relikt der Vergangenheit, sondern eine lebendige Wirklichkeit in der Kirche und trägt dazu bei, den Schatz der Heiligkeit und des Gebetes gegenwärtig zu machen, den uns die Tradition weitergegeben hat.

Und schließlich macht uns der alte Ritus der Meßfeier noch mehr bewußt, daß das Ziel der Liturgie die Anbetung des Geheimnisses Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes ist. Die Größe der Liturgie und ihre Kraft lehren somit den Gläubigen anzubeten: nur in der Anbetung kann sich die tiefe Erfahrung entwickeln, die man in der Begegnung mit dem lebendigen Gott erlebt. Gerade in der Anbetung reift auch der gesellschaftliche Auftrag der Eucharistie, der nicht nur die Grenze zwischen Gott und uns niederreißt, sondern auch die Grenzen, die den einen vom anderen trennen, ebenso niederreißen will wie die Grenzen und Spaltungen, welche die brüderliche Versöhnung und die Einigkeit unter den Menschen verhindern.

Mit Ihrer Romwallfahrt und dem Beginn des Jubeljahres der Barmherzigkeit halten Sie das Bekenntnis zum katholischen Glauben hoch. Wir glauben fest, daß der Herr Jesus Christus das Böse und den Tod besiegt hat. Mit diesem sicheren Glauben haben wir uns ihm anvertraut. Christus, in unserer Mitte gegenwärtig, hat die Macht des Bösen besiegt, und die Kirche, sichtbare Gemeinschaft seiner Barmherzigkeit, besteht weiter als Zeichen der endgültigen Versöhnung mit Gott dem Vater.

In diesem heiligen Tempel, welcher der Schutzfrau Maria geweiht ist, lernen wir, daß der Herr in dem Tempel, der Maria ist, wohnen und damit der ganzen Welt eine wahre Wohnung bereiten wollte, und diese Wohnung ist der Glaube, für den Maria das Vorbild ist, die Mutter aller Gläubigen. Der Glaube gibt uns ein wahres Zuhause in dieser Welt und vereint uns in der Kirche, in der wir alle Brüder und Schwestern sind. Bitten wir die Allerseligste Jungfrau um ihren Beistand, daß sie mit Zärtlichkeit unsere Seele und unsere Familien behüte und daß wir als Pilger auch durch diese Wallfahrt lernen, auf unserem Weg zur endgültigen Wohnung voranzuschreiten, hin zur ewigen Stadt, zur Freude in der himmlischen Heimat.

Amen.

Dies ist nicht die endgültige Version, denn Seine Excellenz hat sich entschlossen, einen Teil hinzuzufügen, der sich auf die aktuelle Situation, nämlich auf die Bischofskonferenz, bezog.

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